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Über Vermögenspreisblasen und die nachhaltige Rendite

Warum sich die nachhaltige Rendite immer aus der Entwicklung der realen Wirtschaft ergibt

Angesichts der momentanen Turbulenzen in der Finanzwelt bleibt kaum Gelegenheit, auf einige grundsätzliche Dinge hinzuweisen. Dabei hilft die Erinnerung an fundamentale Zusammenhänge einer Volkswirtschaft enorm dabei, den Überblick zu behalten. Eine ganz entscheidende Frage, die vor der großen Finanzkrise – und leider auch jetzt noch – systematisch missachtet wurde, ist, wie sich die nachhaltige Rendite in ihrem realen Kern zusammensetzt. Denn eine nachhaltige – also dauerhaft durchhaltbare – Rendite wird sich immer aus der realen Wirtschaft ableiten müssen.

Soll eine Rendite nachhaltig sein, wird ihr durchschnittlicher, monetärer Wert begrenzt durch das durchschnittliche Wachstum einer Volkswirtschaft. Das durchschnittliche reale Wachstum einer Volkswirtschaft wird wiederum begrenzt durch die Verfügbarkeit der Faktoren Arbeit und Kapital (hier als reales Sachkapital) sowie die maßgeblich durch den technischen Fortschritt bestimmte Arbeitsproduktivität. Jedes Wachstum basiert auf dem bestehenden, in Jahrzehnten aufgebauten Wissen des Faktors Arbeit, das die Grundlage für den technischen Fortschritt bildet, sowie dem angehäuften Sachkapital als Grundlage für jede reale Investition. Eine Volkswirtschaft besitzt so auch eine organische Komponente, ähnlich einem Baum, dessen Wachstum sich in den unterschiedlichen Jahresringen ablesen lässt.

Jede Rendite, die über diese realwirtschaftlich mögliche hinausgeht, führt entweder dazu, dass andere Wirtschaftseinheiten eine kleinere oder gar keine Rendite (z.B. in Form von stagnierenden Löhnen) bekommen – es also zu einer Umverteilung des Volksvermögens kommt. Oder sie bedarf einer inflationären Entwicklung der Vermögenspreise. Dass so etwas zu einer Preisblase führt, die irgendwann platzen muss, hat die Entwicklung der letzten Jahre erneut eindrucksvoll bestätigt.

Sollte aber durch entsprechende Regulierung das zukünftige Entstehen von Vermögenspreisblasen verhindert werden und die dann erzielbare durchschnittliche Rendite tatsächlich auf das Wachstum der jeweiligen Volkswirtschaft beschränkt bleiben (immer vorausgesetzt, dass der Außenhandel ausgeglichen ist), hätte dies nicht nur direkte Auswirkungen auf die Gewinnerzielungsmöglichkeiten von Banken und anderen Finanzmarktakteuren, die immer noch (oder schon wieder) von zweistelligen Renditen träumen, sondern auch auf die Entwicklung der Ertragssituation der sogenannten kapitalgedeckten Rentenversicherung. Denn auch dieses Geschäftsmodell funktioniert am Ende nur, wenn an den Finanzmärkten satte Renditen eingefahren werden können. Eine längere Phase ohne Vermögenspreisblasen und mit Zinsen für staatliche Anleihen im Bereich von ein bis zweieinhalb Prozent, wie derzeit üblich, wird die Versprechen der Hochglanzbroschüren vieler privater Rentenversicherer schnell ad absurdum führen. Dann wird sich auch zeigen, dass die lang verteufelte Umlagerente doch nicht so schlecht war, wie sie in jahrelangem Norbert Blüm Bashing gemacht wurde.

Wird von Nachhaltigkeit und Wachstum gesprochen, muss allerdings noch darauf verwiesen werden, dass es hier ebenfalls eine zwingende ökologische Komponente gibt, die parallel zur oben geführten Erörterung existiert. Diese Notwendigkeit von Nachhaltigkeit ergibt sich daraus, dass es auf einem endlichen Planeten kein unendliches Wachstum geben kann. Und dies führt zur  ökonomischen Notwendigkeit, alle materielle Produktion auf eine möglichst perfekte Kreislaufwirtschaft mit der – praktisch unendlich vorhandenen – Nutzung von Erneuerbaren Energien umzustellen. Erst, wenn auch das gelungen ist, kann von tatsächlich nachhaltigen Renditen gesprochen werden.

Matthias Kroll

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Luftnummer Leerverkaufsverbote

Warum zur Regulierung der Finanzmärkte weiter ausgeholt werden muss und warum eine Positivliste die beste Lösung wäre

Das Verbot von Leerverkäufen war zuletzt eine beliebte Forderung von allen Politikern, die es den Finanzmärkten jetzt aber mal so richtig zeigen wollten. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Mit dem Instrument der sogenannten Leerverkäufe spekulieren Banken und andere Finanzmarktteilnehmer auf sinkende Kurse von Staatsanleihen, Aktien oder anderen Vermögenstiteln. Und das kann schnell zu einem Problem werden, wenn durch informelle Absprachen und Herdentriebverhalten die Situation einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung entsteht und der Spekulant das Ereignis, auf das er spekuliert, quasi selbst herbei führen kann. Daher hat das zeitweise Verbot von bestimmten Leerverkäufen im Prinzip schon seine Berechtigung.

Aber abgesehen davon, dass die Verbote meist nur halbherzig umgesetzt werden und oft eine Möglichkeit der Umgehung existiert, gibt es einen zweiten Grund, dem Leerverkaufsverbot als alleinige Maßnahme kritisch gegenüber zu stehen. Denn Leerverkäufe sind auch das Instrument der Wahl, wenn es darum geht, gegen entstehende Vermögenspreisblasen zu spekulieren. Joachim Dreykluft forderte daher kürzlich in der FTD, dass die Welt nicht weniger, sondern mehr Leerverkäufer braucht, da die wesentliche Ursache der meisten Finanzkrisen, so seine Argumentation, jeweils eine geplatzte Preisblase war – als Folge eines lang andauernden übertriebenen  Preisanstiegs. Und warum soll das Wetten auf steigende Preise (mit ihrer Funktion der sich selbst erfüllenden Prophezeiung) gut sein, während das Wetten darauf, dass viele Vermögenspreise völlig überteuert sind und daher fallen sollen, schlecht?

Doch hier greift auch die Argumentation von Dreykluft zu kurz. Denn das tatsächliche Problem, warum es zu wenige Marktteilnehmer gab, die mittels Leerverkäufen munter gegen eine entstehende Vermögenspreisblase an spekulierten und so – ganz wie im Modell vorgesehen – alles wieder ins Gleichgewicht gebracht hätten, lag daran, dass man damit im bestehenden System nur verlieren konnte. Das Problem, dass am Ende zur globalen Finanzkrise führte, war, dass fast alle Marktteilnehmer über Jahre hinweg und weitgehend ungestört von staatlicher Kontrolle mit immer neuen „Finanzprodukten“ an den immer weiter steigenden Preisen verdienten und jeder, der trotz offensichtlicher Überbewertung auf fallende Kurse gewettet hätte, seinen Einsatz los gewesen wäre.

Wer das Entstehen von Preisblasen und deren unvermeidbares Platzen verhindern möchte, sollte daher ein wenig weiter ausholen und den Finanzmarktteilnehmern alle Spekulationsinstrumente aus der Hand nehmen und nicht bloß die Möglichkeit der Leerverkäufe. Und damit die Finanzmarktteilnehmer danach nicht sofort andere Finanzinstrumente ersinnen, mit denen sie das alte Spiel neu beginnen, wäre die Einführung einer Positivliste dringend anzuraten. Auf dieser Liste stehen dann – genau definiert – alle Finanzinstrumente, die für die Kredit- und Liquiditätsversorgung der realen Wirtschaft gut und sinnvoll sind. Alle anderen Finanzinstrumente wären dann verboten. Aber die braucht ja auch keiner.

Dr. Matthias Kroll

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