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Luftnummer Leerverkaufsverbote

Warum zur Regulierung der Finanzmärkte weiter ausgeholt werden muss und warum eine Positivliste die beste Lösung wäre

Das Verbot von Leerverkäufen war zuletzt eine beliebte Forderung von allen Politikern, die es den Finanzmärkten jetzt aber mal so richtig zeigen wollten. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Mit dem Instrument der sogenannten Leerverkäufe spekulieren Banken und andere Finanzmarktteilnehmer auf sinkende Kurse von Staatsanleihen, Aktien oder anderen Vermögenstiteln. Und das kann schnell zu einem Problem werden, wenn durch informelle Absprachen und Herdentriebverhalten die Situation einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung entsteht und der Spekulant das Ereignis, auf das er spekuliert, quasi selbst herbei führen kann. Daher hat das zeitweise Verbot von bestimmten Leerverkäufen im Prinzip schon seine Berechtigung.

Aber abgesehen davon, dass die Verbote meist nur halbherzig umgesetzt werden und oft eine Möglichkeit der Umgehung existiert, gibt es einen zweiten Grund, dem Leerverkaufsverbot als alleinige Maßnahme kritisch gegenüber zu stehen. Denn Leerverkäufe sind auch das Instrument der Wahl, wenn es darum geht, gegen entstehende Vermögenspreisblasen zu spekulieren. Joachim Dreykluft forderte daher kürzlich in der FTD, dass die Welt nicht weniger, sondern mehr Leerverkäufer braucht, da die wesentliche Ursache der meisten Finanzkrisen, so seine Argumentation, jeweils eine geplatzte Preisblase war – als Folge eines lang andauernden übertriebenen  Preisanstiegs. Und warum soll das Wetten auf steigende Preise (mit ihrer Funktion der sich selbst erfüllenden Prophezeiung) gut sein, während das Wetten darauf, dass viele Vermögenspreise völlig überteuert sind und daher fallen sollen, schlecht?

Doch hier greift auch die Argumentation von Dreykluft zu kurz. Denn das tatsächliche Problem, warum es zu wenige Marktteilnehmer gab, die mittels Leerverkäufen munter gegen eine entstehende Vermögenspreisblase an spekulierten und so – ganz wie im Modell vorgesehen – alles wieder ins Gleichgewicht gebracht hätten, lag daran, dass man damit im bestehenden System nur verlieren konnte. Das Problem, dass am Ende zur globalen Finanzkrise führte, war, dass fast alle Marktteilnehmer über Jahre hinweg und weitgehend ungestört von staatlicher Kontrolle mit immer neuen „Finanzprodukten“ an den immer weiter steigenden Preisen verdienten und jeder, der trotz offensichtlicher Überbewertung auf fallende Kurse gewettet hätte, seinen Einsatz los gewesen wäre.

Wer das Entstehen von Preisblasen und deren unvermeidbares Platzen verhindern möchte, sollte daher ein wenig weiter ausholen und den Finanzmarktteilnehmern alle Spekulationsinstrumente aus der Hand nehmen und nicht bloß die Möglichkeit der Leerverkäufe. Und damit die Finanzmarktteilnehmer danach nicht sofort andere Finanzinstrumente ersinnen, mit denen sie das alte Spiel neu beginnen, wäre die Einführung einer Positivliste dringend anzuraten. Auf dieser Liste stehen dann – genau definiert – alle Finanzinstrumente, die für die Kredit- und Liquiditätsversorgung der realen Wirtschaft gut und sinnvoll sind. Alle anderen Finanzinstrumente wären dann verboten. Aber die braucht ja auch keiner.

Dr. Matthias Kroll

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