Deutschland und sein Exportüberschuss

Das Problem sind die mangelnden Importe, nicht zu hohe Exporte

„Auch das noch! Brüsseler EU-Bürokraten verbieten deutsche Exporte!“ Gab es so eine Überschrift der Bild Zeitung schon, oder kommt sie noch? Wenn es nach der Report Sendung  aus München vom letzten Dienstag geht, wird aus dieser Story wohl die nächste Anti-Europakampagne werden. Erst wurden besorgte DGB Gewerkschafter gezeigt, die um ihre exportabhängigen Arbeitsplätze fürchten. Dann wird einem Stephan Schulmeister (der einiges aufklärendes hätte sagen können und wohl auch wollen) nach der Äußerung eines politischen Allgemeinplatzes, das Wort abgeschnitten und als Krönung darf Hans Werner Sinn vom drohenden Kommunismus schwadronieren.

Aber was genau war passiert? Eigentlich nichts. In Brüssel hatten sich einige, der makroökonomischen Logik mächtigen Politiker und Ökonomen, dafür eingesetzt, dass nicht nur übermäßige Handelsbilanzdefizite, sondern auch die – spiegelbildlich auftretenden – übermäßigen Überschüsse problematisiert werden sollen. Auf deutschen Druck hin wurde die Grenze, ab welcher Überschusshöhe es einen blauen Brief aus Brüssel gibt, jedoch von 4 auf 6 Prozent heraufgesetzt. Geldstrafen oder andere Sanktionen sind nicht geplant.

Aber das keine Strafen drohen, kann Brüssel vor einer Verurteilung durch die Report Leute nicht retten. Schon dass die glorreichen deutschen Exporterfolge mit den Defiziten der bösen Schuldensünderstaaten auf eine Stufe gestellt werden, wird als eine Art Majestätsbeleidigung empfunden. Und so wird auch gar nicht wahrgenommen, dass es nicht die zu hohen Exporte sind, die Brüssel kritisiert, sondern die Überschüsse über die Importe.

Doch hier droht Gefahr, denn wer geringe Importe thematisiert, kommt kaum darum herum auch auf die geringe deutsche Binnennachfrage zu verweisen. Und wer thematisiert, dass die Höhe der Binnennachfrage etwas mit der Höhe der Importe zu tun hat, kommt am Ende noch auf die Idee, die Steigerung der deutschen Exporte sei auch die Folge einer Steigerung der Binnennachfrage des Auslandes.  Die über ihre Verhältnisse lebenden Schuldensünderstaaten als eigentlicher Grund für deutsche Exporterfolge? So viel Wahrheit geht dann doch zu weit. Auch wenn sie im Rahmen der volkswirtschaftlichen Saldenmechanik zwingend ist.

Es gilt also, wer viel Exportieren will, muss auch eine Steigerung der eigenen Binnennachfrage zulassen, damit auch die Importe zunehmen können. Und dies ist am Ende auch schlauer, denn es ist immer besser mit den Erlösen aus den Exporten, Importprodukte zu kaufen, als das eingenommene Geld auf den sogenannten internationalen Kapitalmärkten anzulegen. Denn dort geht es auch mal schnell verloren. Den Genuss einer bereits getrunkenen Flasche Rotwein aus mediterranem Anbau dagegen, kann einem keine Finanzkrise wieder nehmen.

Matthias Kroll

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

3 Antworten zu “Deutschland und sein Exportüberschuss

  1. Es gibt auch keine Zeitschriften, in denen sie, wenn es sie denn g be, ihre neuartigen Gedanken und Beschreibungen und Erz hlungen unserer Welt ausbreiten k nnten.

  2. jupp

    Exportüberschüsse könnten idealerweise in einem finanzintensiven Konstrukt, wie in unserem mitteleuropäischen Land, besser zur Verwendung des Schuldenabbaus eingesetzt werden. Ein kräftiger Binnenmarkt ist unerläßlich, muss aber auch nicht sythetisch in die Höhe fociert werden nur weil Exportüberschüsse bestehen. Was machen denn die exportierenden Unternehmen mit ihrem Überschuß? Investieren sie in das Unternehmen, in ihre Mitarbeiter oder müssen sie Verpflichtungen auslösen, oder investieren die Unternehmensköpfe in sich selbst und ihr Bankkonto? Schuldenabbau aus Überschüssen ist kein Sparen und somit keine Triebfeder für Rezession. Ein Mensch ohne Schulden hat es zudem leichter, sich wirklich eine mediterrane Flasche Rotwein zu Gemüte zu führen ohne an der Windel für das Kind zu sparen – und so geht es den Menschen – und um diese geht es ja – in jüngster Vergangenheit und in absehbarer Zukunft. Dieser Hebel erscheint mir wichtiger und realitätsnäher am Hilfsbedürfniss, als ehedem zu knappe monetäre Mittel aufzuwendenum die Importquote von Waren aus anderen Ländern derzeit in die Höhe zu pushen.

  3. rudy

    @jupp
    Es ist zwar nicht explitit angegeben,doch ich verstehe unter mehr Binnenwirtschaft dass Löhne und Gehälter langfristig über Produktivität und Inflationanteil steigen in D. Das würde endlich die Kaufkraft der Konsumenten erhöhen,andererseits dadurch die Wettbewerbsfähigkeit zu den Defizitländern verringert werden, was ja das Kernproblem der Eurokrise ist.

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